Brückengottesdienst

Auch der soll in diesem Jahr wieder an der Elbe stattfinden.

“Im Kollektiv mit der Elbe” – so heißt eine Ausstellung des Künstlers Martin Schepers, welche vom 14.5. bis zum 12.6.2021 in der www.galerieursulawalter.com zu sehen ist.

Wiebke Schulz und Dorothea Uibel haben sich daran beteiligt und den Brückengottesdienst zum Thema ihres Beitrags gemacht. Danke auch an die Pastoren Eberhard Malitius und Jörg Prahler für die Auskünfte und Mithilfe.

Zur Geschichte des Brückengottesdienstes

Kaltenhof, westlich der Elbe gelegen, gehörte ursprünglich zu Dömitz. Überhaupt war der Ort dank der Straßen- und der Eisenbahnbrücke vor 1945 mehr nach Dömitz als zu dem weiter entfernt gelegenen Dannenberg orientiert. In den letzten Kriegstagen jedoch wurden die Auto- und die Eisenbahnbrücke über die Elbe gesprengt.

Durch die deutsche Teilung wurde die Elbmitte dann zur innerdeutschen Grenze und Kaltenhof war somit von Dömitz abgeschnitten. Fortan wurde Kaltenhof politisch wie kirchlich vom niedersächsischen Langendorf aus versorgt.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die alten Verbindungen wieder aufgenommen. Die Eisenbahnbrücke blieb als Ruine zurück, doch die Dömitzer Straßenbrücke wurde bald wieder aufgebaut. Die erste Verbindung zwischen Ost und West war jedoch die Fähre, die sehr bald zwischen Kaltenhof und Dömitz pendelte. Außerdem stand auch die Frage im Raum, ob Kaltenhof jetzt wieder von der Dömitzer Kirchengemeinde aus versorgt werden sollte.

Der damalige Langendorfer Pastor, Eberhard Malitius, schrieb deswegen an das Landeskirchenamt in Hannover und an das Konsistorium in Schwerin. Man solle doch am besten die Gemeinde abstimmen lassen, ob Kaltenhof bei Langendorf bleiben solle. Diese Abstimmung fand statt und ergab eine 100%ige Zustimmung für den Verbleib bei Langendorf. Dennoch sollte dieser Beschluss und die Erinnerung an die wechselvolle Geschichte Kaltenhofs und der ganzen Region hier an der Elbe nicht einfach sang- und klanglos in einem Verwaltungsakt erfolgen.

Bereits ab 1989 gab es einen regelmäßigen Austausch der Pastorin und der Pastoren beiderseits der Elbe, nämlich zwischen Harold Kunas aus Dömitz, Constanze Schröder aus Neu Kaliß und Eberhard Malitius aus Langendorf. Diese drei hatten die Idee, den Beschluss der endgültigen Zuordnung von Kaltenhof an die Kirchengemeinde Langendorf mit einem jährlichen gemeinsamen Gottesdienst im Juli zu feiern. An einem festen Sonntag im Juli versammeln sich die Gemeinden aus Ost und West am Brückenkopf der immer noch zerstörten Eisenbahnbrücke in Kaltenhof. Mit der Zeit schlossen sich die benachbarten Gemeinden aus dem niedersächsischen Quickborn und Damnatz sowie aus dem mecklenburgischen Alt-Jabel dieser Tradition an. Dort feiert man Gottesdienst und kommt sich näher im Gespräch danach bei Kaffee und Kuchen.

Inzwischen ist die Straßenbrücke längst schon wieder repariert und die Autos rasen ohne es zu merken an diesem historisch so interessanten Ort über die Elbe. Die Gottesdienste an der zerstörten Brücke hingegen atmen noch einen ganz anderen Geist: Sie erinnern an den Wahnsinn des Krieges, an die Zeit der deutschen Teilung und an die bleibende Aufgabe, auf einander zuzugehen und Brücken zwischen Menschen zu schlagen zwischen Ost und West wie auch zwischen Nord und Süd und über alle Grenzen hinweg.